Als Reflexion und Meditation will Maria Maier ihre seriellen Arbeiten der letzten Jahre verstanden wissen, eine gleich in mehrfacher Hinsicht zutreffende Einschätzung, denn unabhängig von der Inspiration durch Reisen und neue Eindrücke in der Ferne sind ihre Werke freie, kontextunabhängige Erforschungen von Struktur, Farbe und Raum. Wie bei jeder Art von Versenkung geht es außerdem um das Stillstellen der Gedanken zugunsten des reinen Schauens.
Als Resultat mehrer Studienaufenthalte auf Kuba liegt ein neuer Bildband von Maria Maier vor, in dem die in Regensburg lebende Künstlerin in der ihr eigenen, multipotenten Art die bildnerische Ausbeute präsentiert. Kuba ist ein schwieriges Terrain. Reflexionen des kubanischen Alltags werden in der Regel durch sozialkritische Reportagen oder hoffnungslos kitschige Karibikromantik manifestiert. Zu groß ist offenbar die Verlockung, sich der sozialistisch-karibischen Exotik zu ergeben und brav das Klischee in recht austauschbaren Bildern zu spiegeln.
Maria Maier positioniert ihre Beobachtungen auf angenehm andere Weise. Ihre Kuba-Bilder nehmen zwar die Farbigkeit, die Morbidität und eine gewisse Trostlosigkeit auf, narrative Elemente oder soziale Kritik sucht man hier jedoch vergebens. Maiers Impressionen sind wie gewohnt Collagen aus Fotografie, Siebdruck und Malerei – eine Technik, die sie souverän anwendet. Durch Übermalungen oder malerische Ergänzungen entstehen Bilder, die abstrakt wirken dennoch klar definierbare Elemente der Wirklichkeit vorweisen. Maier verzichtet in ihren Bildern auf posierende Kubaner und konzentriert sich dafür intensiver auf die formalen Strukturen und die auffällige Farbigkeit in den Straßen. Ihre Bilder funktionieren solo, erhalten durch Gruppierungen jedoch eine weitere Kraft, weil dadurch die Systematik und gestalterische Sicherheit der Künstlerin verdeutlicht wird. Angeregt durch ihre Beobachtungen und korrespondierend mit ihren Collagen entstand auf Kuba noch ein Konvolut von malerischen Blättern, die sich gänzlich abstrakt mit flächigen Kompositionen beschäftigen. Eine anregende Auseinandersetzung mit Farben und Formen.
Maria Maier ist Malerin, Zeichnerin, Graphikerin, keine Fotografin. Es ist verblüffend, dass in den Arbeiten häufig erkennbar Malerei, Zeichnung, Druckgraphik, Fotografie, Collage, Reproduktion und Original, Fundstück und entschiedene Zeichensetzung, elementarste künstlerische Gestaltungsmittel und der Einsatz modernster technischer Medien nebeneinander existieren.
Es hat den Anschein, als möchte die Künstlerin vorführen, welches Ausgangsmaterial sie wahrnehmend gestaltet. Das Neben- und Übereinander sind nachvollziehbare Zeitereignisse. Das eine schließt das andere nicht aus, Dualitäten (Polaritäten, Analogien) sind zeitgleich, so wie Malerei eine Sukzession in der Gleichzeitigkeit vorführt. Die (Über-) Zeichnung als lineares Geschehen in der Zeit dominiert und verbindet. Die Fotografie ist eigenständiges Material, das inhaltlich und graphisch stets seriell verarbeitet wird, wie das auch geschieht mit Zeichnungen oder Malereien.
Ihr weltumspannender Blick, ihr zeitenüberschreitender Zugriff auf das Ausgangsmaterial verflechten die künstlerischen Techniken wie die Partikel der Wirklichkeit mit ihrer Innenwelt. Reagieren und sich preisgeben, Form gestalten, Kompositionen schaffen und sich öffnen - diese Prozesse bleiben ablesbar in Maria Maiers Bildern und schärfen unseren Blick für Kreisläufe und überraschende Vernetzungen. Die Collage ist dafür das geschmeidigste Prinzip, hier wird es quasi als Re-Produktionstechnik, als Re-Cycling zu einem neuen Höhepunkt gebracht.
„Die Welt ist Ihr Atelier“ - Bei Arbeitsaufenthalten und Reisen in fremden Ländern spürt Maria Maier mit der Kamera eine fotografisch präzis definierte, und dennoch seltsam gegenstandslose Zwischenwelt auf, die Reales und Scheinbares, die Wirklichkeit und Künstlichkeit auf irritierende Weise verbindet. Zuhause be- und überarbeitet sie die Fotografien mit unterschiedlichen Techniken, stets seriell und gibt dem Ganzen eine neue, in tiefere Dimensionen vordringende Aussage. Wir haben es dabei nicht mit reiner Fotografie, sondern mit malerischen Bildern zu tun. Die Künstlerin thematisiert in ihren Werkzyklen u.a. das Vergängliche, den Faktor Zeit als gesellschaftliches Phänomen, in der ihr eigenen Sichtweise. Ihre Arbeiten können als seriell angelegte Spurensuche gelesen werden. Maria Maier ist der Zeit auf der Spur, nicht dem Zeitgeist.
Die Regensburger Künstlerin Maria Maier ist Grenzgängerin zwischen unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksmitteln. Sie kombiniert Malerei, Zeichnung, Collage und Photographie zu einem Bildganzen. Es geht um Ruhe und Bewegung, Zeit und Raum. Assoziative Prozesse verdichten sich zu einem ästhetischen Ganzen. Die Künstlerin hat sich der photographischen Spurensuche verschrieben. Das in fremden Landschaften und Städten gesammelte photographische Material wird daheim im Atelier ein vielschichtiges Album der Erinnerungen und des optischen Weiterdenkens in serieller Weise.